Wenn in gesellschaftlichen Kreisen das Thema der Superreichen in Deutschland zur Sprache kommt, fällt der Name Martin Herrenknecht selten. Keine Skandale, keine großen öffentlichen Auftritte, keine opulenten Yachten in den Nachrichten. Doch laut der Forbes-Liste von 2026 gehört der Gründer der Herrenknecht AG mit einem geschätzten Vermögen zwischen 1,3 und 1,4 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Unternehmern des Landes.
Tunnelbohrmaschinen sind die Grundlage dieses Reichtums – ebenso unauffällig wie der Mann selbst. Große, mehrere Tonnen schwere Maschinen, die sich durch Lehm, Gestein und Erde bohrten, waren für die Infrastruktur moderner Städte unverzichtbar, blieben aber für die meisten Menschen unsichtbar. Der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz, der Bosporus-Tunnel in Istanbul, der Ausbau der New Yorker U-Bahn und das U-Bahn-System in Doha, Katar, sind nur einige der bedeutenden Projekte, zu denen sein Unternehmen beigetragen hat. Projekte, die schwer zu begreifen sind, solange man ihre wahren Ursprünge nicht berücksichtigt.

Diese Projekte sind schwer vorstellbar, solange man nicht bedenkt, wie sie tatsächlich gebaut werden. Der Anfang der Unternehmensgeschichte ist es, der sie bemerkenswert macht. Martin Herrenknecht gründete sein Unternehmen 1975 (einige Quellen datieren die Gründung auf 1977), nachdem er sich 25.000 Deutsche Mark von seiner Mutter geliehen hatte. Es handelte sich weder um ein Investorengeschäft noch um eine Risikokapitalrunde. Es war ein Darlehen von einer Frau, die offensichtlich Vertrauen in ihren Sohn hatte. Derzeit hält Herrenknecht fast 96 % der Anteile an der Herrenknecht AG, einem familiengeführten Unternehmen.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Schwanau in der Ortenau beschäftigte im Jahr 2025 mehr als 5.400 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt wurden sogar 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das sind Zahlen, die man eher von börsennotierten Unternehmen erwarten würde, nicht von einem ländlichen Familienunternehmen in Baden. Wer die Kleinstadt Schwanau kennt, wird Schwierigkeiten haben, diese Größenordnung vollständig zu begreifen.
Herrenknecht lud 2022 neben 400 VIP-Gästen auch 1.600 seiner Mitarbeiter ein, um seinen 80. Geburtstag zu feiern.
Barbara Schöneberger moderierte die Veranstaltung, bei der die Ehrlich Brothers und Roland Kaiser in der Baden-Arena in Offenburg für eine zauberhafte Darbietung sorgten. Etwa 180 Mitarbeiter waren anwesend, darunter auch Starkoch Daniel Fehrenbacher. Die Kosten der Feier wurden von den Medien auf einen niedrigen Millionenbetrag geschätzt. Dennoch ging Herrenknecht an seinem eigentlichen Geburtstag, bevor die Feierlichkeiten begannen, wie gewohnt zur Arbeit. Am nächsten Tag fand dann die Feier statt.
Im Laufe der Zeit schwankten die Schätzungen zum Vermögen von Martin Herrenknecht: Sein Gesamtvermögen, einschließlich der Familienstiftung, wird von Forbes mittlerweile auf fast 2 Milliarden US-Dollar geschätzt, obwohl einige Medien im Jahr 2022 von 800 Millionen Euro berichteten. Mit einem Vermögen von rund 1,25 Milliarden Euro wurde Herrenknecht 2026 vom Vermögensmagazin unter die 220 reichsten Deutschen gereiht. Da das Unternehmen nicht börsennotiert ist und selten Aufmerksamkeit sucht, sind genaue Zahlen schwer zu ermitteln. Das Vermögen wächst jedoch.
Der Eindruck eines Unternehmers, der tatsächlich – im wörtlichen Sinne – etwas aufgebaut hat, bleibt bestehen. Nicht mit Algorithmen, nicht mit Finanzprodukten. Mit Maschinen, die Berge durchbohren können. Martin-Devid Herrenknecht, sein Sohn, leitet den Geschäftsbereich Bergbau und ist seit 2022 im Vorstand. Die Nachfolge scheint geregelt zu sein. Unklar ist, ob das Unternehmen seine Identität in der kommenden Generation bewahren kann. Vorerst bleibt die Herrenknecht AG jedoch so wie ihr Gründer: still, beharrlich und unterirdisch tätig – und erfolgreicher als die meisten anderen.
