Wenn man bestimmte Spieler sieht, vergisst man sie sofort wieder. Kevin Keegan ist einer von ihnen. Jeder, der ihn jemals auf dem Platz gesehen hat – und sei es nur auf einer alten VHS-Kassette aus dem Hamburger Volksparkstadion von 1979 –, wird diese einzigartige, schwer zu beschreibende Energie bestätigen, die den Raum erfüllte, lange bevor er den Ball berührte. Kevin Keegan starb am 20. Juli 2026 im Alter von 75 Jahren an Krebs. Seine Familie war bei ihm. Das ist zumindest ein kleiner Trost.
Anfang 2026 gab seine Familie eine vage Erklärung zu seiner Erkrankung ab. Viele hatten auf eine Wende gehofft. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Sie gaben folgende öffentliche Erklärung ab: „Kevin, zweifacher Gewinner des Ballon d’Or, war ein geliebter Ehemann, Vater und Großvater.“ Einfache Sätze, die mehr aussagen als jede Trauerrede.

Anfang 2026 gab seine Familie eine Mitteilung über seine Krankheit heraus, ohne dabei Einzelheiten zu nennen. Als Keegan 1977 zum HSV kam, war das eine bedeutende Leistung. Es war beispiellos, einen englischen Spieler in der Bundesliga zu sehen. Allerdings zahlte der Verein einen hohen Preis, um ihn von Liverpool zu verpflichten, und Keegan zahlte es dem Verein mit Toren, Leidenschaft und Titeln zurück. Unter Trainer Branko Zebec gewann der HSV 1979 die deutsche Meisterschaft. Obwohl Keegan nur 1,70 Meter groß war, war er die treibende Kraft hinter einer Mannschaft, die mehr war als die Summe ihrer Teile. Nach seinem Tod sagte Horst Hrubesch, sein Sturmpartner und langjähriger Freund: „Er war ein großartiger Kerl, nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch.“
Ohne ihn ist die Bundesliga der späten 1970er Jahre kaum vorstellbar. Keegan war mehr als nur ein Spieler; er war eine Art kulturelles Phänomen, nicht nur in England, sondern auch in Hamburg, wo er in aller Munde war und als beliebte Persönlichkeit den Meisterpokal freudig auf dem Rathausmarkt in die Höhe reckte. In einem Beitrag nach seinem Tod drückte der HSV seine Trauer um „einen der besten Fußballer, die jemals den Diamanten auf der Brust trugen“ aus. Das mag kitschig klingen, ist aber einfach die Wahrheit.
Nach drei Jahren in Hamburg kehrte Keegan nach England zurück, um für Southampton und anschließend für Newcastle zu spielen, wo er schließlich Trainer wurde und eine Mannschaft aufbaute, die zwar nicht die Meisterschaft gewann, aber dennoch Premier-League-Geschichte schrieb. Während seiner Zeit an der Seitenlinie war er weiterhin zwiespältig – mal brillant, mal zerbrechlich. Er weinte vor der Kamera, als er Newcastle 1996 in der Liga anführte und dennoch die Meisterschaft verlor. Der Satz „Ich werde es lieben, wenn wir sie schlagen“ wurde zeitlos. Vielleicht sogar mehr als jedes Tor, das er jemals selbst geschossen hat.
Keegan wurde 1978 und 1979 zweimal in Folge zum europäischen Fußballer des Jahres gekürt. Selbst im Rückblick sind zwei Ballon-d’Or-Siege eine bemerkenswerte Leistung. Damals genoss er denselben Status wie Spieler wie Franz Beckenbauer und Johan Cruyff, doch er ließ sich davon nicht beeindrucken. Es gibt einen Verdacht, der schwer zu widerlegen, aber kaum zu ignorieren ist: Keegan besaß das, was man in der heutigen Welt als Bodenständigkeit bezeichnen könnte. Er stammte aus bescheidenen Verhältnissen in Armthorpe in Yorkshire im Norden Englands, und selbst an der Spitze änderte er sich kaum.
Als englischer Nationaltrainer war er von 1999 bis 2000 weniger erfolgreich; nach einer 0:1-Niederlage gegen Deutschland im Wembley-Stadion trat er im Tunnel mit den Worten „Ich bin nicht gut genug“ zurück. Keegan war zudem geradlinig, direkt und ehrlicher, als es die meisten Menschen in einer solchen Situation jemals wären. Nach Keegans Tod teilte Prinz William, ein selbsternannter Fußballfan und ehemaliger FA-Präsident, auf Instagram ein Schwarz-Weiß-Foto von ihm im Nationaltrikot und beschrieb ihn als „einen wahrhaft bemerkenswerten Fußballspieler und Trainer, der Generationen inspiriert hat“. Die Bildunterschrift endete lediglich mit einem „W“.
In den letzten Jahren sind zahlreiche Fußballlegenden verstorben. Keegan war jedoch einzigartig. Nicht, weil er der Größte aller Zeiten war – was er höchstwahrscheinlich selbst nie behauptet hätte. Aber er gab denjenigen, die ihn erleben durften, das Gefühl, als wären sie mit ihm dort gewesen. Wembley, Liverpool und Hamburg. Wir werden ihn vermissen. So viel ist sicher.
